1. tekstrække, 2014-2015
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1. søndag efter påske. Tysk

Biskop Peter Fischer-Møllers prædiken til dagens tekst i Gøttingen, Tyskland.


Tekst 
Peter Fischer-Møller, biskop

Durch geschlossene Türen gehen …Ich habe einmal die Lage und die Zukunft der Christen im Nahen Osten mit einem Pastor aus dem Libanon diskutiert. Er sagte: 

»Es wird so viel von verfolgten Christen im Nahen Osten geredet, und viele machen sich Sorgen über die Zukunft der Christen in den Ländern, in denen die ersten Jünger zum Glauben kamen und den Glauben teilten, so dass das Christentum heute eine Weltreligion geworden ist. Ich begegne Christen im Nahen Osten, die sorgenvoll hinter verschlossenen Türen sitzen, in Angst vor ihrer Zukunft. Und das ist in vieler Hinsicht verständlich. Denn viele Minoritäten im Nahen Osten haben es schwer in diesen Jahren, auch die Christen. Viele Christen sitzen hinter verschlossenen Türen und warten. Plötzlich klopft es an der Tür. Es ist Christus selbst. Er klopft an – nicht um zu den Christen hineinzukommen, sondern um den Christen voranzugehen hinaus aus dem Raum, hinein in die Gesellschaft, die den Glauben bitter nötig hat, die Liebe, das Vertrauen, die Inspiration, die Christus mit sich bringt.« 

Ich denke: Wie ist es hier bei uns? Haben wir den Mut, die Kirchentüre zu öffnen und unserem Herrn in die Wirklichkeit draußen zu folgen, hinaus in eine Welt, die noch immer das Evangelium bitter nötig hat?

Die Jünger hatten Angst – deshalb saßen sie hinter verschlossenen und verriegelten Türen. Sie waren entsetzt über das, was mit Jesus geschehen war: dass er gefangen, verurteilt und hingerichtet wurde. Sie fürchteten, selbst entdeckt zu werden. 

Sie fürchteten dasselbe Schicksal wie er. Sie hatten nicht die geringste Lust, die Tür zu öffnen oder zu sehen, wer oder was sich auf der anderen Seite verbarg. Für sie war die Tür ein Schutz vor einer Welt, die für sie zusammengebrochen war, vor Menschen, die sie fürchteten, dass sie ihnen nichts Gutes wollten.

So können auch wir uns nach Geborgenheit sehnen. Geborgenheit ist eines der heutigen politischen Schlagworte.Nicht immer verläuft das Leben nach unseren Wünschen, manchmal sind wir nicht recht Herr über die Dinge und meinen, die Lage nicht überschauen zu können. Und dann fühlen wir uns plötzlich klein und ängstlich und unsicher und hätten am liebsten Lust, uns unter der Bettdecke zu verkriechen und dort zu bleiben. Wir haben es wohl alle erlebt, dass wir gleichsam in uns eingeschlossen waren. 

Wie Kinder versteckten wir uns schamhaft auf dem Zimmer, wenn wir etwas zerschlagen hatten und darauf warteten, ausgeschimpft zu werden. Die Teenager verstecken sich hinter den Türen mit starken Warnungen an die Erwachsenen vor dem Eindringen, und sie spielen laute Musik, wären sie herauszufinden versuchen, wer sie sind und wo sie hingehören. Viele von uns bleiben drinnen, wenn Dinge in unserem Leben geschehen, die alles auf den Kopf stellen. 

Wenn uns Krankheit trifft, eine Scheidung, eine Entlassung, ein Todesfall in der Familie oder im Freundeskreis. Für die, die in einen Missbrauch geraten sind, kann es sich so anfühlen, als sei man in einen dunklen Kinosaal geraten und könne das Exit-Schild nicht finden. Wie kommen wir das raus? Gibt es überhaupt ein Leben außerhalb, zu dem man zurückkehren kann? Wage ich es jemals, aus der Tür hinauszugehen und mich unter andere Menschen zu begeben?


Das Evangelium dieses Sonntags erzählt uns von dem Unglaublichen, dass Jesus dort hineinkommen kann, wo niemand von uns hineinkommen kann. Er kann Menschen erreichen, die sich hinter allen möglichen Abwehrschranken verschanzt haben. Er hat die Fähigkeit und den Willen, dort hineinzugehen, wo wir andere aufgegeben haben. Er ist wie eine Tür zu uns in der Einsamkeit und damit auch unsere Tür zur Welt draußen.

Davon handelt das heutige Evangelium. Die Jünger hatten sich hinter verschlossenen Türen verschanzt. Für sie war alles aus, als Jesus starb. Aber plötzlich steht der Auferstandene bei ihnen im Raum. Sein Gruß zeigt, dass es sehr wohl weiß, wie sehr sie Angst haben. „Friede sei mit Euch!“ sagt er. Das sind beruhigende Worte für ängstliche Seelen. Friede sei mit Euch!

Und dann macht Jesus zwei Dinge. Erst bläst er auf die Jünger, die zittern wie Espenlaub. Das ist wie eine künstliche Beatmung. Da sitzen sie und fühlen sich von Gott und Menschen verlassen, und dann kommt er und bläst sie an, so dass sie merken, dass dies nicht nur ein Traum ist, sondern Wirklichkeit. Er gibt ihnen neuen Lebensatem, der Heilige Geist, mit dem er kommt, macht Gott für sie gegenwärtig, so dass sie nicht mehr dasitzen und schwer vor Angst atmen, sondern tief und ruhig zu atmen wagen und merken, dass sie noch am Leben sind, dass sie einander haben, noch an eine Zukunft für sie glauben.

Und dann schickt er sie hinaus zu anderen Menschen. Er sagt, dass sie hinausgehen sollen aus der Tür und die Geschichte erzählen sollen, deren Zeugen sie selbst waren, von Jesus erzählen und von seiner Liebe und Vergebung. Ja, in gewisser Weise ist die Vergebung immer eine offene Tür, eine Tür mit einem offenen Spalt. 

Da, wo wir im Zorn oder aus Enttäuschung die Tür vor anderen zugeschlagen haben, da ist dieses, die Hand zur Versöhnung zu reichen, zu sagen: Lasst uns einen Strich ziehen über das, was gestern war, lasst uns heute neu beginnen – das heißt die Tür für eine neue Zukunft öffnen. 

Wie Jesus die Tür der Vergebung für sie öffnete, indem er zu ihnen kam mit seinem Frieden, obwohl sie ihn verlassen hatten in der entscheidenden Stunde – so sollen sie nun hinausgehen und die Tür der Vergebung für andere öffnen, die Furcht der anderen zerbrechen, ihnen den Mut geben, hinauszugehen und auf andere Menschen zuzugehen. Aber das braucht Zeit, sich herauszuwagen, wenn wir uns selbst vergessen haben. Das tut es auch im heutigen Evangelium. Die Erzählung von Johannes beschreibt eine ganze Woche. In den acht Tagen, die zwischen dem ersten Mal, als Jesus ihnen erschien, und dem zweiten Mal, hart sich nicht viel verändert. Sie sitzen noch immer in ihrer Stube.

Außer Thomas. Er war zunächst nicht mit dabei. Warum eigentlich? Vielleicht hatte er nicht Angst wie die anderen. Vielleicht befand er sich auf der anderen Seite der Furcht. Da, wo man fühlt, dass man schon allen verloren hat, was wichtig ist, und deshalb nichts mehr zu fürchten hat. Thomas bedeutet Zwilling, vielleicht nannte man ihn so, weil er einer von denen war, die Jesus am allernächsten gefolgt waren, und der sich deshalb ganz verloren fühlte, als er ihn verloren hatte.

Als Thomas die Gerüchte von der Auferstehung und die Erzählungen der anderen Jünger, dass Jesus sie besucht hatte, da sagt er verständlicherweise: Das glaube ich nicht, ehe ich es gesehen habe!

Thomas ist ein Mensch wie du und ich. Er kann nicht glauben, bloß weil die anderen sagen, dass er das soll. Er kann nicht begreifen, dass das mit der Auferstehung wahr ist, ehe er es an seinem eigenen Leib erfahren hat.

Er ist wie wir. Wir können nicht das Leben des anderen leben. Und wir können nicht den Glauben der anderen übernehmen Wir müssen jeder für sich eine Plattform im Verhältnis zu Gott finden. Auch deshalb begnügen wir uns in der Kirche nicht mit Worten, Erzählungen von Jesus und dem, was er tat und sagte und von Gott erzählte. Deshalb haben wir Taufe und Abendmahl, wo wir das Wasser sehen und spüren und das Brot und den Wein riechen und schmecken können.

Thomas konnte das Unglaubliche nicht glauben, ohne es selbst spüren zu dürfen. Und er denkt natürlich zurück, an das, was war, und an das Letzte, das er sah, ehe Jesus starb: die Wundmale an seinen Händen und an seiner Seite. 

Aber als Jesus kommt und sich ihm zeigt und auf die Wundmale zeigt, die er berühren wollte, da streckt Thomas nicht seine Hans aus, da wird ihm klar, dass es hier nicht um Beweise geht oder um Rückkehr zu dem, was einmal war, sondern um Glauben und dass Jesus nun bei ihnen ist und mit ihnen anders, als er es vorher war.

Das ist wie mit der Liebe und der Vergebung, mit denen sich Jesus verband, als er lebte. Das ist nicht etwas, was man beweisen kann, das ist etwas, was wir glauben müssen, und das ist niemals etwas wie von gestern, das ist immer neu, bestimmt von der Situation, in der wie hier und jetzt stehen.

Als Jesus vor ihm steht, wird der Glaube in ihm geweckt, der Glaube, dass die Liebe und die Vergebung, mit der ihm Jesus begegnet war, noch immer galten.

Thomas ruft: »Mein Herr und Gott«. Er ist nicht mehr der Mann, der zurückschaut, auf das starrt, was er verloren hat. Er kann sich aufrichten und nach vorn schauen, weil er weiß, dass er jetzt Gott hinter sich hat, zusammen mit den anderen Jüngern kann er nun hingehen und die Tür aufschlagen zu der der Welt, die auf sie und ihre Geschichte wartet.

Als wir getauft wurden, wurden wie mir mit den Worten gesegnet: »Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang!« 

Das sind Worte, die Türen öffnen. Worte, die sagen, dass wir nicht allein sind, wo wir uns eingeschlossen fühlen in unseren eigenen Sorgen und Problemen, oder wo wir und ausgeschlossen fühlen vom guten Leben zusammen mit den anderen. Das sind Worte, die uns Mut machen wollen, die Türen zu öffnen und anderen und der Welt entgegenzugehen, um das Leben und seine Freuden und Leiden miteinander zu teilen. 

Amen.